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Chronik der Heimatorte

Gemeinde Niederlangen

Beginnen möchte ich mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648), weil in dieser Zeit unsere "Stammeltern" in Niederlangen gelebt haben.
Niederlangen war zu dieser Zeit eine Bauernschaft im Kirchspiel Lathen und lag an der seit der Römerzeit bekannten linksemsischen Heer- und Handelsstraße, die vom Rhein durch Westfalen und das Emsland nach Ostfriesland und an die Nordsee führte. Hier reichte das unwegsame Bourtanger Moor im Westen bis nahe an die Ems im Osten.
Der Krieg hatte für Nieder- wie auch Oberlangen fatale Auswirkungen. Ob nun katholische oder evangelische Truppen die Oberhand hatten, sie plünderten, brandschatzten, mordeten, vertrieben die Menschen und brachten große Not. So änderte sich bei fünf von dreizehn damaligen Erben in Oberlangen der Name des Hofes, ein Zeichen dafür, dass die Bauern im Krieg umgekommen waren. Ein kaum bekanntes düsteres Kapitel des Dreißigjährigen Krieges stellt die hohe Verschuldung vieler Bauernhöfe dar. Kriegsgeschehnisse, aber auch Erbabfindungen, Unglück und Freikauf aus der Eigenbehörigkeit werden oft als Gründe genannt. Ein Großteil der Erben in beiden Bauernschaften hatte bei einer Bestandsaufnahme im Jahre 1640 bis zu 500 Reichstaler Schulden. Auch der Viehbesatz war oft bis zur Hälfte geschrumpft. Wenn man dabei bedenkt, dass die Vollerben der Gemeinheit Langen im Durchschnitt der Jahre 1537/38 und 1545 über 10 Kühe und 6 Pferde besaßen.

Die Pest, die nach dem Ende des Krieges 1666 durch bischöfliche Soldaten ins Emsland geschleppt wurde, tat ein Übriges. Beide, Krieg und Pest, waren die Ursache, dass manches Dorf seiner Bewohner und mancher Acker seiner Arbeiter beraubt wurden. Am schlimmsten grassierte die Pest in Ober- und Niederlangen, in Groß- und Kleinfullen. Viele Menschen starben, ganze Familien verschwanden, überall zeigte sich das Bild der Angst und des Todes. Andere Familien verarmten und lebten in kummervoller Not.

Die schwedischen und hessischen "Satisfaktionssteuern" (Kriegssteuern) in Niederlangen betrugen acht "Kirchspielschatzungen", etwa 240 Reichstaler. Wegen der völligen Verarmung, der Not der Bevölkerung und vieler wüster Erben, konnten die Abgaben nicht bezahlt werden. Folglich wurden Kühe und Rinder in der Bauernschaft gepfändet.

Man kann davon ausgehen, dass in Nieder- und Oberlangen nur etwa ein Drittel des Bodens Privateigentum war; der Rest, die Markengemeinde, wurde gemeinschaftlich von den Berechtigten genutzt.

Am 1. Januar 1749 wurden Brinksitzer, Heuerleute und "Kleine" aus dem Gerichtsbezirk Lathen vorgeladen und vernommen. Sie hatten anzugeben, wieviel Pferde, Kühe und Schafe sie hatten und was sie monatlich an die Gemeinheit und als Schatzung zahlen mussten. Von den sieben Niederlangener hatte keiner Pferde, nur ein bis zwei hatten Kühe, dazu jeweils fünf bis zehn Schafe. Das Weidegeld betrug je Kuh zwei Stüber, und bei einem Reichstaler an Kriegsgeld hatten sie sieben Stüber beizusteuern.

Wenn die Ems Hochwasser führte, war den Nieder- und Oberlangenern der Weg zur Pfarrkirche in Lathen kaum möglich. Bei hohem Auflaufen der Flut konnte man weder zu Fuß noch zu Pferde die Fähre über die Ems nach Lathen erreichen.
Endlich, am 3. November 1767, erging von der bischöflichen Behörde die Anordnung, nach dem Bau einer Kapelle in Oberlangen solle diese auch eingeweiht werden. Es wurde die Genehmigung erteilt, an Werktagen die Messe zu feiern, an Sonntagen jedoch nur bei Hochwasser.
Im Jahre 1810, als die Kapelle zu klein geworden war, schaffien es die Langener, trotzt der militärischen Unterdrückung durch die Franzosen, aus freiwilligen Beiträgen ein neues Gotteshaus zu erstellen. Die Kirche wurde von einem Zimmermann Stevens aus Niederlangen gebaut. Er hatte in Holland eine große Summe Geld gefunden und für sich behalten. Um sein Gewissen zu beruhigen, verzichtete er auf seinen Arbeitslohn beim Bau der neuen Kirche.



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Es dauerte bis ins Jahr 1827, bis Langen eine Kapellengemeinde wurde. Den Winter über wohnte der Lathener Kaplan Kohne in dem neu errichteten Pastorat. Trotz einer weiteren Eingabe an den Generalvikar in Osnabrück vom 14. August 1848, die für Niederlangen der Vorsteher J. Strätker und der Provisor F. Eiken, für Oberlangen der Vorsteher O. Nankemann und der Provisor K. Ameln unterzeichneten, brachte erst das Jahr 1858 die Erfüllung des langersehnten Wunsches der Gemeinde. Kaplan Kohnen wurde zum ständigen Geistlichen in Langen beruten.
Am 1. Januar 1911 wurde die Kapellengemeinde zur Kuratie erhoben. Seit dem 1. April 1919 ist sie eine eigenständige Pfarrei.

Nach sieben Generationen Schomaker endeten um das Jahr 1850 die Aktivitäten in Niederlangen und der Stammhalter der vierten Generation, Lambert Schomaker, zog in seine neue Heimat nach Lehe wo er am 17. Mai 1859 seine zukünftige Frau, Regina Schludde aus Lehe, heiratete. Hier führte er die Schmiede seines am 12. Januar 1858 verstorbenen Schwiegervaters Joannes Schludde weiter