<--- zurück

Ein Stück Familiengeschichte Derer von Gehmen und Winterswyk.

Aus alten Urkunden nacherzählt von Dr. Windus aus Papenburg.


Ringmauern und Zinnen der trutzigen Feste Bentheim waren verschneit, und durch die Öffnungen der Schießscharten pfiff schneidend ein herber Januarwind. Auch im luftigen Stübchen des Burgfrieds machte sich eine bittere Kälte bemerkbar. Gerade versuchte Diethelm, der Torwart, einige Fenstersparren festzunageln, um dann die Löcher mit Wolle zu verstopfen, als er das Dröhnen klappernder Hufe vernimmt. Drei Reiter klommen, des schmalen Weges wegen, hintereinander die Burgstraße empor, und laut dröhnte die Stimme des Führers: "Geschffet Einlaß, Diethelm! Wir sind's: Dodo, der Schaffer, Gunthard und Ludger." Da nimmt der Späher vom rostigen Nagel ein mächtiges Stierhorn, setz es an den Mund und entlockt ihm drei lange dumpfgezogene Töne; erst dann lockert er den Hebel an dem großen Rad. Die Ketten klirren. Langsam öffnet sich das schwere, mit Eisen beschlagene Burgtor. Die Reiter aber sprengen an den Zingeln vorbei in die Vorburg, machen am Ziehbrunnen halt, sitzen ab undbefestigen die Zügel der dampfenden Rosse an die eisernen Ringe. Ludger bleibt zurück, holt Hafen, Heu, Wasser und legt den abgehetzten Tieren, deren Flankenpumpen, wollene Decken auf, während Dodo und Gunthard über die steinernen Stufen eilen in des Herrn Grafen Gemach.
Hier sitzt, unweit des offenen Kamines, in dem die Buchenscheite knistern, Bernhard, Burgherr von Bentheim, ein alter, müder Mann, müde von all den Fehden, von Wunden und von manchem Herzleid. Vor ihm liegt das Buch der Bücher; beben der großen Gestalt beugt sich der junge Burgkaplan Jodocus über ein Pergament, das als Gegenstand vergleichbarer Stellen hinzugezogen worden war.
Der eiserne Klopfer hatte gedröhnt, die Anmeldung erfolgte und spannend schauten die großen Augen des Ritters auf den sich verbeugenden Schaffer.
"Eintretet Dodo und machet Meldung."
Der aber entnahm der Ledertasche eine dicke Rolle, Gunthard öffnet sie, reichte sie dem Schaffer, welcher las:
"Wohleder Herr Graf! Der Ritter Heinrich zu Gehmen entbietet Euchin Ehrfurcht seinen Gruß. Auf Dero gar so ernstes Schreiben darf ich nicht mehr den mindesten Vorschub leiden und soll mein Sohn Joannis, will ihn nit die Rache seines Vaters treffen und verfallen, ohn Prozeß, Zunder und Bley, in fufffzehn Tag seine und meines Hauses Ehr einläsen mit sein Versprechen, ansonsten er weitere Straf sich selbsft verwirkt. - Soser Ihr, edel, wohledler Herr Graf uns Obdach gewähren geneigt seyed, werden mein Sohn Joannis und ich in fuffzehn Tag nach diesem die Ehr haben, vor Euer Thor Einlaß zu begehren. In Untertänigkeit, Euer Meldung gehorsamst erwartend, verbleibt Dero wohlbestallter, gehorsambster Heinrich Ritter zu Gehemn in münsterischem land." "Brav Dodo!" so rief der weißhaarige Burggraf, gab Befehl, daß Pergament, Gansfeder und Dinte geholt wurde und diktierte dem im Schreiben erfahrenen Burgkaplan seine zusagende Antwort. Zitternd schreib Bernhard umständlich den verschnörkelten Namenszug unter die Akte, während Gunthard, diensteifrig wie immer, das Geschreibsel mit Hand aus der Streubüchse trocknete. "Reiset mit Gott!" rief der Graf den Boten nach, die sich sogleich wieder auf den Weg machten. Dann saß er lange Zeit in Gedanken versunken, schaute auf die Buchenscheite, die knisternde Funken zum Rauchfang sandten, und plötzlich wandte er sich dem Kaplan zu, um dem Bescheid zu geben:

[Anmerkung von St. Hilling:
Status: Ehe
Familienname: Gemen
Ehemann: Johann von Gemen
Ehefrau: Adelheid von Götterswick,
[Siehe Text unten: geboren um 1396, Heirat um 1414 mit dem Schwager des Vaters oder mit dem Sohn der Familie von Gemen.]

Heirat: 09.09.1408 Ehevertrag
wohl nicht vollzogen
Kinder:]

"Sechs volle Jahre sind nun verflossen. Anno 1408 weilte ich in Ahaus bei dem von mir zum Ritter geschlagenen Heinrich von Gehmen, dessen Sohn Johannes feierlich auf Mannes= und Ritter=Ehr die Verlobung mit meinem Patenkind Adelheid von Güterswyck zusagte. Sie, die Adelheid, war damals erst zwölf Jahr, aber als meine Schwestertochter wünschte ich die Verbindung, damit, wenn dereinst mein Ende naht, die Herrschaft Bentheims in gute Hände kommt. Wie üblich, stellten wir als Brautschatz 2000 gute Gülden fest, während der Vater der Braut bis zum Vollzug der Ehe einen Teil seines Grundbesitzers mir unter Brief und Siegel verpfändete. Nun ist Adelheid zur lieblichen Jungfrau herangewachsen und Johannes stark genug, die schwere Regierung zu übernehmen. Wohl über zehnmal drängte ich zur Hochzeit, doch wich der Junge aus, bis mich der Zorn übermannte und ich dem Vater Heinrichs ernstliche Vorwürfe machte, an das Ritterwort erinnerte und ihm mit Pfändung drohte. Ein Mann - ein Wort, so heißt's bei uns. So war es und so muß es bleiben. Die heutige Antwort gefällt mir; den auf meines Freundes und Verwandten Wort ist Verlaß. Holet Wein, Jodocus, und beratet mit dem Schaffer, sobald er zurück, daß feierlichst für bestes Willkommen gesorgt wird. Möge Gott den Bund der jungen Leute segnen!"
Schon längst waren die Boten, des Lobes voll, zur Burg Bentheim zurückgekehrt. Schon längst waren die angesagten fünfzehn Tage Frist dahingegangen. Doch weder Heinrich, noch Johannes hatten sich eingefunden. Da faßte Bernhard den letzten Entschluß. Er sandte dem Ritter von Gehmen eine Fehde=Urkunde zu und drohte mit schwersten Strafen. Nun ward's bitterer Ernst! Der alte Vater [von Gehmen} drang auf den Sohn ein und dieser gab dann endlich nach. Sein Schwager, Dynast von Eulenburg und Werth, nach langen Irrfahrten aus dem heiligen Lande glücklich wieder zu Hause angelangt, fand seine Gemahlin nicht mehr vor. Sie war vor Gram und Herzeleid den Weg alles Irdischen gegangen. Um sich zu zerstreuen, besuchte er die Verwandtschaft und traf gerade zu Gehmen ein, als die Boten des Grafen Bernhard I. auf endgültige Antwort warteten. In ihrer Gegenwart übertrug Johann seinem Schwager die feierliche Abholung der jungen Braut Adelheid, um endlich sein Eheversprechen einzulösen. Gern willigte der Herr von Eulenbur ein, versprach der Jungfrau ehrsam Geleit und brach bereits am selben Tage mit den Burgmannen von Gehmen auf, während die Boten von Bentheim, hochbeglückt, dem Zuge ein Stück Geleit gaben. Und als des Bernhards Gesandte vor der heimatlichen Burg Bentheim standen, traf der Dynast von Eulenburg und Werth glücklich in Güterswyck ein.
Hier nahm man ihn mit Freuden auf, ja, dem betagten Vater kamen Tränen der Rührung. Als aber der Freund des Johannes die holdselige Braut erblickte, war er erstaunt, so viel Schönheit und Frömmigkeit, gepaart mit jungfräulicher Anmut, vorzufinden. Nun, der Dynast selbst, von seinen Taten als Kreuzfahrer erzählend, hatte gar keine so große Eile, sein gegebenes Versprechen einzuhalten. Im Gegenteil, hier gefiel es ihm sehr, und wenn die Burgdame Adelheid mit ihrem Beschützer Spaziergänge unternahm, wenn man sie dann später plaudern und scherzen stundenlang unter der Linde sitzen sah, dann konnte bei manchem die Frage auftauchen: "Wen liebt unsere Herrin mehr, Ritter Johannes oder dessen Freund, den Dynast?"
Und so kam, was kommen mußte. An einem Frühlingsabend waren beide Hand in Hand hinausgewandert in den nahen Forst. Hier schlug die Königin der Sänger. Bald jubilierend aufjauchzend erklangen ihre Lieder, bald sehnsüchtig schmelzend. Da schauten sich die beiden Menschenkinder in die Augen. "Sprecht nicht mehr so viel vom Johannes," sagte die holde Jungfrau, "sprecht mehr von Euch!" Das waren Worte gewesen, die jeden Zweifel in den Herzen des Herrn von Eulenburg ausschlossen. Sanft nahm er des jungen Mädchens blonde, schwere Zöpfe, zog das Köpfchen an sein Haupt und während die Nachtigall Weisen ertönen ließ von Liebe und Meiden, besiegelte ein Kuß der beiden Menschen Lebensglück. Dann saßen sei noch lange zusammen, bis die Nachtschwalbe flog und die Käuzchen riefen. Im Burgsaal fiel allen Anwesenden wohl das veränderte Benehmen der Braut auf; denn ihre Ausgelassenheit machte plötzlich stillem Nachdenken Platz. Doch immer wieder flogen ihre Augen zu ihm, der vor wenigen Stunden ihr ewige Treue geschworen und die Worte geflüstert: "Wenn Du mich lieb hast, mußt du alles verlassen können, den Vater und die Heimat, mußt mir angehören mit allen Fasern Deines Herzens in Freud und Leid." - Als dann des Wächters Ruf die zehnte Stunde verkündete, gingen die Insassen der Burg zur Ruhe.
Es mochte um die zweite Stunde des beginnenden Morgens sein, als zwei Gestalten leise über den Hof huschten. Wigbert, der allzeit Getreue und Verschwiegene, wartete mit dem Pferde des Dynasten unweit der Straße. Hab' Dank, mein guter Freund! Komme zu uns!" so flüsterte Adelheid ihm zu, während der Verlobte sie sorgsam in den Sattel setzte und dann sich selbst auf das Roß schwang. Die Zügel um den Kopf geschlungen, nahm er die süße Bürde nun vor sich, und so jagten die durch den taufrischen Frühlingsmorgen der Burg Werth zu. Hier fand bereits am dritten Tage in einfacher, schlichter Weise die Vermählung statt. Der Abt des nahen Klosters von Wesel vollzog sie.
Gar lange Zeit dauerte es, bis Graf Bernhard von Bentheim, als auch besonders Johannes, Ritter zu Gehmen, ihre Einwilligung gab, doch was fragten die glücklichen Menschenkinder danach! Und selbst als der alte Everwyn von Güterswyck den Brautschatz von 3000 schweren Gulden auszahlte und dem Paare mitteilen ließ, daß Bernhard I. und Johann von Gehmen ihnen immer noch gram wären, störte auch das nicht ihr Glück.
So gingen und kamen die Jahre. Fast schien es, als ob bei ihnen das Sprichwort: "Nach eitel Freud folgt großes Leid!" nicht in Erfüllung gehen sollte. Zwei Kinder schenkte ihnen der Herrgott: Gerhard und Maria. Als diese zur Jungfrau herangereift, erzählte die Sage: "Von solcher Schönheit war die Maid, daß Männer, Frauen und Kinder stehen blieben, um ihr nachzuschauen!" Und all die große Hoffnung, die ihre Eltern an die Tochter knüpften, entsprach jedoch nicht insofern ihren Erwartungen, als Maria, bescheiden und doch mit Nachdruck allen geplanten Verbindungen abhold war. Ja, die reichsten und mächtigsten Fürstensöhne warben um ihre Hand. Schon sahen Vater und Mutter im Geiste das Diadem auf ihres Kindes Haupt: aber was sie dann schmückte, das war wenig und doch so unermeßlich viel: ein einfaches schwarzes Gewand und der Schleier! Maria trat als Nonne ein, wandte sich der barmherzigen Krankenpflege zu und wurde bald wie ein Engel verehrt. Die Pest trat auf. Trotz der ungeheuerlichen Opfer, trotz der fürchterlichen Anblicke, die durch verpestete Eiterbeulen entstanden, sahen die dem sicheren Tode Preisgegebenen in der Schwester Maria eine Gestalt, die der Herrgott gesandt. Hunderten hat sie beigestanden in ihren letzten Augenblicken, Tausenden lindernden Heiltrank verabfolgt, Unzählige zur letzen Ruhe gebettet, die auch für sie das letzte Ende kommen sollte. Vom schwarzen Würgeengel angesteckt, mußte sie, deren Leben ein glanzvolles, ein Leben ohne Kummer und Sorge hätte sein können, ihre blühende Jugend zum Opfer darbringen. Auf einem Rundgange durch das Armenviertel der nahen Stadt fühlte sie den ersten Stich, dann folgte das Fieber und als sich nun die bekannten schwarzen Flecken auf der Haut bildeten, wußte die Arme ihr Schicksal. Fünf volle Tage lag die Schwester, verlassen von allen Menschen, auf dem armseligen Heuboden, der sonst kein lebendes Wesen mehr sah. Entsetzlicher Verwesungsgeruch erfüllte die dunkle Kammer. Mehr und mehr nahmen die Schmerzen zu; als nun noch die häßlichen Beulen in Eiterung übergingen und am fünften Tage der Druck im Kopf das Fieber auf das Hochste trieb, schritt der erlösende Todesengel über die Schwelle, breitete sorgsam seine schwarzen Fittiche über die Schwester aus und trug die reine Seele zum Throne Gottes.
Lange, lange Zeit später, als man in fast ausgestorbenen Stadt mit den Aufräumungsarbeiten begann, fand man die Leiche der Nonne Maria. In feierlichem Zuge wurde sie zum Kloster gebracht und vor dem Hochaltar beigesetzt.
War das ein Leid und Kummer für die armen Eltern, als sie von dem traurigen Ende ihrer einzigen Tochter hörten!
Und dann kamen nochmals Tage schwerster Prüfungen. Krieg und Fehden wollten kein Ende nehmen. Die heimatliche Burgward oft ein Tummelplatz feindlicher Söldner. Viel ward zerstört, und verkohltes Gebälk sah man dort, wo ehedem fleißige Hände mühsam Neubauten errichtet hatten. Selbst dann noch, als die Friedensglocken ihre frohen Klänge durch die Lande gesandt, löste bald darauf ein Krieg den andern ab, bis das Jahr 1448 Adelheid, der Schwergeprüften Mutter, das Ende ihrer Lebensbahn brachte. Sie starb in den Armen ihres Gatten, der voll Kummer und Gram, seine geliebte Gefährtin nun viele Jahre überlebte und 1452 dem Schöpfer seinen Geist zurückgab.
Gerhard trat nun die Regierung des verstorbenen Vaters an.
Das ist ein Stück Geschichte aus der Familienchronik Derer von Gehmer und Güterswyck.


Quelle der Ergänzungen: Internet
Hedwig, Hadewigis
* vor 1317
1380 oder danach
aus Ehe: Bentheim Lippe 1306
Ehe mit: Eberwin IV. von Götterswick 1347

oo 1347 mit Hedwig von Bentheim

Herr von Götterswick, wird nach dem Tode seines Vaters Herr von Götterswick
* vor 1334
1378 oder danach
aus Ehe: Götterswick NN 1312

Tochter
Aleid
* zw. 1389 u. 1399
03.06.1448
aus Ehe: Götterswick Reifferscheidt 1389
1. Ehe mit: (Johann von Gemen 1408)
2. Ehe mit: Johann von Culemburg 1415


Status: Ehe
Familienname: Gemen
Ehemann: Johann von Gemen
Ehefrau: Adelheid von Götterswick


Heirat:
09.09.1408 Ehevertrag
wohl nicht vollzogen
Kinder:
keine